

Außergewöhnliche Töne von allen Saiten
(von Ute Eggert, M.A., www.flow-communications.de)

Das vierte Banjo Camp München vom 1.-3. Oktober 2010 hallt nach
Unzählige Hände schnellen die Bünde der Banjos, Dobros und Gitarren hinunter. Kleine wie
große Finger bearbeiten die Griffbilder. Die Saiten der Instrumente schwingen über drei Tage
hinweg. Jegliche Tonabstraktion erklingt in den Gängen des Aschauer Aktiv Hotels. Dies ist
in der Tat während des Münchener Banjo Camps im Chiemgau kein Ort der Stille. Das ist
musikalische Betonung einer gesamten Umgebung.



Potpourri guter Klänge
Die Erleichterung der Hausgastgeber ist spürbar, statt Kindergeschrei von dem kreativen
Chaos der 57 Teilnehmer und -nehmerinnen des Banjo Camps umgeben zu sein. Banjos am
Frühstückstisch, jammen an jedem gemütlichen Ort des Seminarhauses, im
sonnendurchfluteten Garten, im Schatten der Kampenwand. Wo nicht gespielt wird, wird
geraucht und geplaudert. Dem jüngsten Teilnehmer scheint die Gitarre am Bauch
festzukleben. Mutig schiebt er sich zwischen die Großen, um seinen Rhythmus
verlauten zu lassen.





Wer schon in den Vorjahren dabei gewesen war, mochte glauben, bereits alles erlebt zu
haben. Wahrlich nicht. In diesem Jahr spielen alle wieder eine besondere Rolle. Wer neu ist,
den nehmen die erfahrenen Teilnehmer und Teilnehmerinnen einfach in die Gruppe auf.
Hier gilt Bluegrass. Nach allen Regeln der Kunst. Die Zwischentöne lauten Atmosphäre, gute
Gespräche, hervorragendes Essen und zugewandtes Miteinander:
• Harmonie in g,
• Effekt in b-flat
• Wohlbefinden in a
• Liebe in e-minor.

Das Banjocamp bietet Gelegenheit, mit herausragenden Musikern zusammen zu sein, von
ihnen zu lernen, den Spirit ihrer Musik aufzunehmen. Die Veranstalterin und Organisatorin
Adiaha Bürkmiller hat wie in den Jahren zuvor die Besten vereint. In diesem Jahr sind Janet
Beazley und Chris Stuart eigens aus Californien angereist. Erfahren und umsichtig mit
ganzer Seele sind sie dabei. Jimmy Heffernan (USA) Meister der Dobro, wie er in der Szene
genannt wird, unterrichtet das Klanginstrument ganz mit dem für ihn typisch trockenen
Humor. Die Lehrenden stellen sich auf jedes Spiel ein, überzeugen mit Didaktik und
gewähren Raum für die individuelle Entwicklung.
Banjos schlafen nicht
Mitbegründer und Banjoikone Rüdiger Helbig, München und die Stammlehrer John Dowling,
(England) sowie Ross Nickerson (USA) haben die Sympathien schon auf ihrer Seite, bevor
sie ankommen. Sie fundieren das Camp durch konstante, professionelle Vermittlung der
wesentlichen Tonwerte. Das hört nicht auf. Sie geben musikalisch Rat, verraten Tricks,
motivieren, spielen mit und vermitteln gelebte Begeisterung für das fünfsaitige Banjo.
Ein Moment der Stille entsteht als Alan Munde das Banjo zum ersten Mal nach seiner Ankunft
aufnimmt. Bewunderung braucht hier nichts. Unaufgeregt, entspannt, „laid back“ trägt er
keinen Anstecker, einer der besten, wenn nicht der weltbeste Banjospieler zu sein. Er weiß.
Banjospieler und -spielerinnen wissen. Das genügt.

Alan Munde
Im Rhythmus des dichten und durchgeplanten Programms entschwinden die Lernenden
immer wieder in den unterschiedlichen Lehrräumen. Die Gesichter zeigen, wozu
Glückshormone fähig sind. Der Geist strahlt durch Wissen und ist angefüttert mit neuen
Erkenntnissen. In den kleinen und großen Pausen bleibt das Moment zeitlos bestehen.
Bühnenshow mit Up-Tempo
(der Kurzfilm zum Konzert hier)






Jedoch spielt der G-Ton nicht immer die Hauptrolle auf diesem Camp. So kommen die
musikalischen Persönlichkeiten zur Jamsession am ersten Abend zusammen. Hier mischen
sich erstmals unterschiedliche Spielweisen, Techniken der Banjomusiker und Musikerin
Janet Beazley sowie rhythmisches Backup, Harmony-Singing und stürmische Improvisation.
Am Konzertabend des zweiten Tages sollen die Protagonisten nochmals auf die Bühne
kommen. Technisch brillant in Szene gesetzt, bleibt das Größere Ganze der Veranstaltung
im Gedächtnis. Davon hat jeder etwas: Janet Beazley und Chris Stuart spielen eine
Auswahl ihres profunden Repertoires. 5 4 Idaho mit Adiaha Bürkmiller und Baby Palace
bieten klangreiche Unterhaltung und sind die Überraschung.











Strange Hill Folk mit John Dowling versetzen in britische Moods der frühen Achtziger Jahre
mit einzigartigen Banjostyles der Gegenwart. Bei so viel Leichtigkeit und den komplexen
Improvisationsmustern erstarrt das Publikum; zunächst, erst dann: Tosende Begeisterung.
John Dowling am Banjo spielt in anderen Sphären. Der Bassist Russ Williams, genannt
Ginger, hebt die Bühne und trägt die Stimmung. Andy Steele an der Gitarre, sonor singend
und sensitiv, bietet Ohrvergnügen vom Feinsten. Die Sängerin Anna Kelly an der Fiddle
setzte klare Akzente und übergibt stimmlich das Sahnehäubchen. Diese Performance mit
Tempo, die sie selbst progressive Folk nennen, hat stilistisch und thematisch wenigstens
zwei Dimensionen überklungen.
Das Banjo hat viele Gesichter. So scheint es. Obgleich Banjo Camp genannt, vereint es
jegliche Nuancen der Bluegrass Szene, Kult und Kultur und die Begeisterung des Spiels aller
Saiten der Stil-Instrumente.
Ute Eggert, M.A.,
www.flow-communications.de